Mariendistel

25.11.2020 15:00

Der Name der Mariendistel entstammt einer Sage, ihr Gebrauch dagegen ist realistischer Natur. Mariendistel wird bei Störungen der Leberfunktion, Leberzirrhose und Vergiftungen eingesetzt [1]. Es wird eine leberschützende Wirkung angenommen, die auf den Inhaltsstoffkomplex Silymarin zurückzuführen ist. Pulver, Kapseln und Tees mit Mariendistel können präventiv für eine bessere Leberfunktion eingenommen werden.

Kratzige Helferin - die Mariendistel

Ihrem Wuchs und dem Standort nach ist die Mariendistel, bot. Silybum marianum, eine typische Distel. Sie ist anspruchslos und gedeiht vor allem in milderem Klima. Ursprünglich im Mittelmeerraum beheimatet, hat sich die Distel inzwischen sogar in Amerika und Südaustralien invasiv verbreitet. Je nach Standort erreicht die ein- bis zweijährige Pflanze eine Wuchshöhe von bis zu 150 cm. Ihre Blätter sind mit Dornen gesäumt. Aus den violetten Blüten reifen im Laufe des Wachstumszyklus Ächanenfrüchte, kleine, nussartige Samen.

Ihre wertvollen Inhaltsstoffe sind unterschiedliche Flavonolignane, ihr Gemisch wird als Silymarin bezeichnet. Gewerblich angebaut wird die Mariendistel in Österreich, Ungarn und Deutschland sowie in China und Südamerika. Im Spätsommer sind die Früchte reif und gelangen zur Ernte. Zur Verarbeitung werden die Köpfe gepresst, das Öl ist in der Nahrungsmittelindustrie geschätzt. Im Pressrückstand finden sich die therapeutisch genutzten Rückstände. Vielerorts werden Mariendistelköpfe als Tierfutter gegeben - hier steht ebenfalls der therapeutische Zweck, die Leber zu unterstützen, im Vordergrund.

Mariendistel - zwischen Sage und Apotheke

Ihren Namen verdankt die Mariendistel einer Legende. Ihr zufolge sollen die weißen Streifen auf den Distelblättern durch die Milch der Jungfrau Maria entstanden sein. Bereits vor dem christlichen Zeitalter wurde die Distel von Griechen und Römern genutzt. Sie galt als Heilmittel bei Schlangenbissen und als förderlich für die Gallentätigkeit. Im Mittelalter fand die Heilandsdistel oder Fieberdistel, wie sie auch genannt wird, zunehmend Verwendung bei Leberbeschwerden.

Die Schwerpunkte in der Anwendung liegen nach wie vor bei Lebererkrankungen. Standardisierte Präparate mit Silymarin gelten als leberschützend und entgiftend. Als Grund dafür wird eine in Laborversuchen festgestellte Eigenschaft des Wirkstoffkomplexes vermutet: Silymarin kann die Zellmembran der Leberzellen stabilisieren. Das Eindringen giftiger Stoffe wird dadurch erschwert. Ein nachhaltiger Beweis für die Wirksamkeit am Menschen ist der Wissenschaft jedoch bislang nicht gelungen. Es liegen noch zu wenig Daten vor, insbesondere über einen erfolgreichen Einsatz bei Krebserkrankungen.

Dagegen ist der Einsatz von Silymarinpräparaten bei Amatoxinvergiftungen vielversprechend. Amatoxin ist das Gift der Knollenblätterpilze, es ist leberzersetzend und vielfach tödlich. Von Silymarin wird angenommen, dass es die Aufnahme dieses Giftstoffes in der Leber hemmen kann [2].

In weiteren Studien wird erforscht, ob sich Silymarin auch für die Behandlung von Hepatitis C eignet. Ein nachhaltiger Beweis wurde noch nicht erbracht. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass Silymarin von den Probanden gut vertragen wurde [3]. Menschen, die auf Korbblütler allergisch reagieren, sollten allerdings bei der Anwendung von Mariendisteln vorsichtig sein oder sie nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt konsumieren. Auch die Packungshinweise oder weiteren Hinweise der Anbieter sind zu beachten. Hochdosiert eingenommen, können Samen und Zubereitungen der Mariendistel Magen-Darm-Beschwerden auslösen.

[1] https://www.eucell.de/ernaehrung/ernaehrungslexikon/weitere-vitalstoffe/silymarin-mariendistel-fruchtextrakt/wirkung.html
[2]: https://www.apotheker.or.at/internet/oeak/newspresse.nsf/1bd86a866fd269b5c1256d21002d53da/9998ce1fd52e9caec1257455004d9c5f?OpenDocument.
[3]https://www.nccih.nih.gov/health/hepatitis-c-and-dietary-supplements.


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